Wenn Quereinsteiger anfangen Wein zu machen, nehmen Sie manchmal unmenschliches auf sich: Hitze, Steillagen, nackter Fels. Und als ob sie sich auch im Keller gegen alle Konvention auflehnen wollen, pflegen Sie einen rebellischen Stil. Die Kombination davon sind die Erstlinge von Melanie und Guido Hube in Banyuls; sinnigerweise mit dem klingenden Namen Oiseau rebelle.

Es ging alles sehr schnell: Von der Sommelier-Postition in Berlin an die spanische Grenze. Firmengründung 2014 und der Wille, etwas Verrücktes, Aussergewöhnliches zu machen. Vier Jahre Später, im August 2018, habe ich die ersten Weine verkostet. Ich lese beim Verkosten die Spezifikationen der Weine und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus: fachlich wie geschmacklich, aber der Reihe nach.

Die Verkostung startet mit einem Buchstabenspiel: BRMTH heisst der Wein. Hube lässt die Konsonanten weg und das B steht für spanisch V, Vermuth also. Der Wein ist nicht gewürzt oder aromatisiert, erinnert aber in seiner Stilistik an einen Aperitif-Wein. Die Grenache-Trauben werden kräftig gepresst und ruhen 21 Monate ohne Umzug (!) im Stahl. Die Vergärung erfolgt spontan und erreicht unglaubliche, natürliche 17.5 % Alkohol. Nach Lehrbuch fast unmöglich – vielleicht müssen wir akzeptieren, dass die wilden Hefen perfekt adaptiert sind? Der Hands-off-Ansatz wird weiter unterstrichen durch den Verzicht auf Schwefel, Schönung und Filtration. Der Wein ist geschmeidig, cremig, anmutig mit einer feinen Frucht und einer leicht kräuterigen Note – wunderbar anregend und komplex.

Das war noch zu wenig rebellisch? Weiter geht’s mit VVNT: vivant – lebendig. Der Wein zeigt eine strahlenden Bernstein-Gold-Ton, ist kräuterig an der Nase mit Ansätzen von gelben Früchten; der Gaumen ist straff und strukturiert mit deutlichen Tanninen und einer imposanten Mineralität, griffig bis zum langen Schluss. Die Grenache gris und blanc Trauben werden hälftig gepresst und hälftig eingemeischt – von Fuss. Der Tresterhut wird alle 4-5 Stunden untergetaucht, es erfolgt eine Beigabe von reifen, getrockneten Stielen und anschliessen d bleibt der junge Wein 30 Monate (!) so liegen. Natürlich erfolgt keine weitere Manipulation und der Wein ist durchvergoren bei knapp 15%. Chapeau für den Mut und das Resultat.

MTRNR – jetzt wird es schwierig: matière noire oder Antimaterie – was für eine Ansage. Ich bin völlig weggetreten von diesem Wein. Riecht, sieht aus und hat den Alkohol eines süssen Banyuls, ist aber trocken, natürlich vergoren und von mächtiger Eleganz. Super konzentrierte Kirschfrucht mit würzigen Zedernholz und Tabaknoten, berauschend im Alkohol aber von kühlender Mineralität begleitet, gerade noch in Schach gehalten. Wow, Wow, Wow.

7 Monate Maische-Kontakt ohne Umzug, 100% Grenache Noir, 17% Alkohol, alles Natur, kein Schwefel. Mir bleibt die Spucke weg und ich nehme noch einen Schluck.

Bevor ich dann den Höllenhund treffe: CRBR steht für Cerberus, der am Eingang zur Unterwelt wacht. Ich hätte nicht gedacht, dass es nach der Antimaterie noch übler kommt. Analoges Winemaking, mehrheitlich Grenache Noir, lange Maischestandzeit und 145 Gramm Zucker bei 14.1% Alkohol. Ein genialer Süsswein der – einmal mehr – seinem mineralischen Nachhall und der Würzigkeit glänzt.

Die Preisansage ist steil, wir bewegen uns im Handel im mittleren zweistelligen Euro Bereich. Bei all den Aufwänden vom Weinberg bis zum Flaschendesign aber verständlich. Die Weine sind erhältlich über die Webseite www.oiseau-rebelle.vin oder eventuell auch bald in der Schweiz.

Für Weinliebhaber und alle, die es werden wollen.

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